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Wat Arun, Bangkok: das Gelübde eines fliehenden Königs und das zerbrochene Porzellan, das bei Sonnenuntergang glitzert

Zuletzt geprüft: 2026-07-16

Geschrieben von Ricardo Dos Santos

Der Prang von Wat Arun bei Sonnenuntergang am Ufer des Chao Phraya
Kirandeep Singh Walia / Pexels

Im Jahr 1767 gelobt ein fliehender General, genau an der Stelle einen Tempel zu errichten, an der er bei Tagesanbruch anlegt. Zwei Regierungszeiten später ist sein Khmer-Turm mit zerbrochenem chinesischem Geschirr verkleidet — und erst bei Sonnenuntergang, nicht bei Sonnenaufgang, entfaltet er seine wahre Wirkung.

Ein Gelübde bei Tagesanbruch, nach dem Fall einer Hauptstadt

Im Jahr 1767 plünderte die birmanische Armee Ayutthaya, über vier Jahrhunderte lang die Hauptstadt des siamesischen Königreichs. General Taksin floh mit den Resten seiner Truppen den Chao Phraya hinab und landete bei Tagesanbruch am Ufer von Thonburi. Er gelobte, genau an dieser Stelle einen Tempel zu errichten, und nannte ihn Wat Chaeng — den Tempel der Morgenröte — nach Aruna, dem hinduistischen Gott der Morgendämmerung. Als gekrönter König beherbergte Taksin dort zeitweise den Smaragd-Buddha, bevor die Reliquie auf die andere Flussseite zum Wat Phra Kaew im Bereich des Großen Palastes umzog.

Ein Khmer-Turm im Gewand aus zerbrochenem Geschirr

Der 82 Meter hohe zentrale Prang wurde unter Rama II. begonnen, aber erst 1851 unter Rama III. vollendet — zwei Generationen Arbeit für einen einzigen Turm. Seine Form folgt der eines Khmer-Prasat und stellt den Berg Meru dar, die kosmische Achse des buddhistisch-hinduistischen Universums; vier kleinere Prangs an den Ecken vervollständigen eine Anlage, die buchstäblich eine Landkarte des Kosmos zeichnet. Was Wat Arun von jedem anderen Tempel Bangkoks unterscheidet, ist seine Oberfläche: kein Edelstein, sondern Bruchstücke zerbrochenen chinesischen Porzellans, die tonnenweise als einfacher Ballast in chinesischen Handelsdschunken ankamen und durch von Bangkoks Einwohnern gespendetes Geschirr ergänzt wurden. In Zement eingelassen und zu floralen Mandalas und Chrysanthemenketten geformt, fangen diese Keramiksplitter das flache Licht ein und streuen es — der konkrete, nicht nur poetische Grund für das Glitzern des Tempels.

Das Paradox des „Tempels der Morgenröte"

Trotz seines Namens ist Wat Arun bei Sonnenuntergang am eindrucksvollsten, nicht bei Sonnenaufgang — ein Paradox, das nur wenige Besucher erwarten. Der beste Aussichtspunkt ist nicht einmal der Tempel selbst, sondern das gegenüberliegende Flussufer nahe dem Tha-Tien-Anleger des Wat Pho, wo sich die Silhouette des Prang gegen einen orangefarbenen Himmel abzeichnet und sich im Fluss spiegelt. Die lokale Folklore fügt eine sagenhafte Note hinzu: Die Wächterriesen (Yaksha) am Eingang von Wat Arun sollen dasselbe Paar sein, das im Ramakien-Epos gegen ihre Gegenstücke im Wat Pho kämpft — aufgeteilt auf die beiden Flussufer.

Den Prang erklimmen, Stufe für Stufe

Eine steile, schmale zentrale Treppe führt bis zur Hälfte des Prang hinauf und bietet einen Nahblick auf die Verzierungen sowie einen Ausblick auf den Fluss darunter — gutes Schuhwerk und etwas Vorsicht sind nötig, da die Stufen hoch und eng beieinander sind. Wer den Aufstieg plant, sollte etwa ein bis anderthalb Stunden vor Ort einplanen.

Praktische Hinweise und die beste Besuchszeit

Der Tempel ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass gegen 17:30 Uhr, bei einem Eintrittspreis von 200 THB. Die Kleiderordnung ist streng — Schultern und Knie müssen bedeckt sein —, wobei Sarongs vor Ort für unvorbereitete Besucher ausgeliehen werden können. Um dem Andrang zu entgehen, bieten sich zwei Zeitfenster an: früh morgens zwischen 8 und 10 Uhr für Ruhe, oder am späten Nachmittag zwischen 16 und 17:30 Uhr für das goldene Licht vor Sonnenuntergang. Erreichbar ist der Tempel vom historischen Zentrum aus mit einer günstigen Fähre (3 bis 5 THB) ab dem Tha-Tien-Anleger.

Kombination mit dem gegenüberliegenden Wat Pho

Wat Arun liegt dem Wat Pho direkt gegenüber auf der anderen Seite des Chao Phraya, verbunden durch dieselbe preiswerte Fähre. Die klassische Route verbindet den Großen Palast früh am Morgen vor den Menschenmassen, Wat Pho am späten Vormittag und anschließend die Fährüberfahrt zum Wat Arun, um das Licht des späten Nachmittags bis zum Sonnenuntergang zu genießen.