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Big Blue Diving auf Koh Tao : Die legendäre Tauchschule von innen, vom ersten Atemzug bis zu 35 Jahren Geschichte

Ein authentischer Bericht über unsere Open-Water-Zertifizierung bei Big Blue Diving auf Koh Tao, ergänzt durch ein ausführliches Interview mit Miteigentümer Jim Donaldson. Vom konsequenten Wechsel zu SSI über die Pool-Didaktik bis zum Neustart von Big Blue Conservation: Die Geschichte einer echten Institution.

Zuletzt geprüft: 2026-10-12 Geschrieben von Ricardo Santos

Sporttaucher bei einer unvergesslichen Begegnung mit einem Walhai im kristallklaren Wasser von Koh Tao mit Big Blue Diving
Big Blue Diving Koh Tao / SawaLife Editorial

Koh Tao ist und bleibt die weltweite Hochburg für Tauchanfänger. Im Zentrum dieses Rufs steht ein Name, der seit über drei Jahrzehnten fest mit der Insel verbunden ist: Big Blue Diving. Seit 1991 auf Koh Tao ansässig, hat die Schule zehntausende Taucher ausgebildet, globale Krisen gemeistert und die Standards der Tauchausbildung im Golf von Thailand maßgeblich geprägt.

Um herauszufinden, was diese Institution so besonders macht, hat die SawaLife-Redaktion den Selbstversuch gewagt: Wir haben den kompletten Open Water Diver Kurs bei Big Blue als absolute Anfänger ohne jegliche Vorerfahrung absolviert. Ergänzt wird unser Erfahrungsbericht durch ein ausführliches und offenes Gespräch mit Jim Donaldson, Miteigentümer und prägendes Gesicht der Tauchschule, der ungeschminkt über die Geschichte, Meilensteine und Lehrmethoden von Big Blue berichtet.


1. Der Erfahrungsbericht der Redaktion: Von Null auf Open Water

Die ersten Atemzüge unter Wasser lösen bei jedem Menschen eine Mischung aus Faszination und Respekt aus. Unter Wasser durch einen Lungenautomaten zu atmen, widerspricht unseren menschlichen Reflexen. Bei unserer Ankunft bei Big Blue war der erste Eindruck sofort überzeugend: eine herzliche, entspannte Inselatmosphäre, kombiniert mit kompromissloser technischer Präzision und Professionalität.

Tauchanfängerinnen in voller Ausrüstung bei Big Blue Diving

Kleine Gruppen und individuelle Betreuung

Ein entscheidender Vorteil während unseres Kurses war die überschaubare Gruppengröße. Weit entfernt von Massenabfertigungen wurden wir in einer kleinen Gruppe unterrichtet. Unser Tauchlehrer konnte jeden Blick deuten, Unsicherheiten frühzeitig erkennen und Sicherheitsübungen in aller Ruhe wiederholen. Die Geduld und Gelassenheit des Teams nahmen jegliche Nervosität im Keim.

Flexibles digitales Lernen in der eigenen Sprache

Für internationale Schüler bietet die SSI-Plattform (Scuba Schools International) einen unschätzbaren Vorteil: Das gesamte Lehrmaterial steht über eine intuitive App in zahlreichen Sprachen zur Verfügung. So konnten wir physikalische Grundlagen, Druckausgleich und Tauchtabellen vorab auf dem Smartphone oder Tablet durcharbeiten. Die Briefings vor Ort konzentrierten sich somit voll und ganz auf die praktische Umsetzung.


2. Geschichte und Beständigkeit eines Pioniers auf Koh Tao (seit 1991)

Als Big Blue Diving 1991 gegründet wurde, war Koh Tao eine abgelegene Insel mit holprigen Schotterwegen und sporadischem Generatorstrom. Das Überstehen des ersten Jahres galt in der damaligen Tourismusbranche bereits als bemerkenswerter Erfolg.

„Unser erster großer Meilenstein war schlicht das Überleben von Jahr eins – im Tauchgeschäft eine Leistung, die man keineswegs als selbstverständlich ansehen sollte“, erinnert sich Jim Donaldson. „Dann eröffneten wir ein Tauchresort, gefolgt von der raschen Erkenntnis, dass wir ein deutlich größeres Tauchboot brauchten.“

Historische Big Blue Diving Center Tauchbasis direkt am Strand von Koh Tao

In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen stetig: Mit Big Blue Tech entstand eine Abteilung für technisches Tauchen und Wracktauchen, mit Big Blue Conservation ein engagierter Zweig für den Meeresschutz, gefolgt von einem zweiten Resort.

Im Jahr 2013 folgte die weltweite Anerkennung: Big Blue Diving wurde offiziell als größtes SSI Training Center der Welt ausgezeichnet und belegte verbandsübergreifend Platz zwei bei den weltweiten Neuzertifizierungen. Später eröffnete das Team sogar ein eigenes Ladengeschäft für Big-Blue-Merchandise.

Jim Donaldson hebt jedoch vor allem die über drei Jahrzehnte gewachsene Erfahrung hervor:

„Gute Tauchschulen gibt es viele. Doch nur wenige verfügen über mehr als dreißig Jahre gewachsene Beziehungen, fundiertes lokales Wissen und die Erfahrung aus zahllosen gemeisterten Herausforderungen. Diese Kontinuität macht den echten Unterschied.“


3. Die Entscheidung für Unabhängigkeit: Vom PADI-Ausschluss zur SSI-Überzeugung

Eines der bemerkenswertesten Kapitel in der Geschichte von Big Blue betrifft den Wechsel des Ausbildungsverbandes. Während viele eine rein wirtschaftliche Entscheidung vermuten, war der Auslöser ein anderer: Big Blue wurde von PADI ausgeschlossen.

Jahrelang bildete die Schule parallel nach PADI, SSI und BSAC aus. Wenn Schüler fragten, welches System das beste sei, empfahlen die Tauchlehrer aus voller Überzeugung SSI, da sie die modulare und praxisnahe Didaktik schätzten.

PADI stellte daraufhin ein Ultimatum: Entweder bildet Big Blue ausschließlich nach PADI aus oder muss den Verband verlassen. Big Blue weigerte sich, seinen Instruktoren ein System aufzuzwingen, und PADI schloss die Schule aus.

Big Blue stellte daraufhin komplett auf 100 % SSI um. Der Vorteil für die Schüler: Sie werden von Tauchlehrern ausgebildet, die voll und ganz hinter ihrem Lehrsystem stehen und diese Überzeugung authentisch vermitteln.


4. Die Bewährungsprobe: Pandemie und der Verlust des Gründers

Auch schwere Schicksalsschläge blieben der Tauchschule nicht erspart. Die coronabedingten Grenzschließungen brachten den Tourismus auf Koh Tao vollständig zum Erliegen. Mitten in dieser Krise verunglückte der Gründer der Schule, Michael Spjuth, tödlich bei einem Motorradunfall.

Um das Lebenswerk zu erhalten, traf das Management klare Entscheidungen: Kosten senken, die drei Tauchschiffe seetüchtig halten und die einheimischen thailändischen Mitarbeiter weiterbeschäftigen.

Eine entscheidende Stütze war die langjährige Verbundenheit mit der Eigentümerfamilie des Silver Sand Resorts, deren Freundschaft über zwei Jahrzehnte zurückreichte. Dank dieses Zusammenhalts konnte Big Blue die Krise überstehen und beim Neustart des Reisemarktes sofort wieder durchstarten.


5. Die Ausbildungsmethode: Warum der Schulungspool den Unterschied macht

Während manche Anbieter Anfänger direkt ins seichte Meerwasser führen, setzt Big Blue konsequent auf einen speziell konzipierten Schulungspool mit unterschiedlichen Tiefenbereichen.

Speziell gebauter Schulungspool für Tauchanfänger bei Big Blue Diving

Für Jim Donaldson ist diese Methode unverzichtbar:

„Im Meer ist die Umgebung selbst in geschützten Buchten unberechenbar. Eine unerwartete Welle wirft einen Anfänger leicht aus dem Gleichgewicht. Sand wird aufgewirbelt, die Sicht sinkt, und wer ohnehin mit der Atmung kämpft, gerät schnell unter Stress.“

Im Pool herrschen perfekte Bedingungen:

  • Kristallklares Wasser garantiert ständigen Blickkontakt mit dem Tauchlehrer.
  • Keine Wellen, keine Strömung und keine Ablenkung.
  • Tarierung, Maskenausblasen und Wiedererlangen des Atemreglers werden geübt, bis sie zur zweiten Natur werden.

Erst wenn alle Sicherheitsgriffe sicher sitzen, geht es auf das Tauchboot ins offene Meer. Der erste Freiwassertauchgang wird so zu einem reinen Naturerlebnis statt zu einer Zerreißprobe.

Ausrüstungsraum und technischer Vorbereitungsbereich bei Big Blue


6. Sicherheit, Druckausgleich und Umgang mit Ängsten

Die größte körperliche Hürde für Taucheinsteiger ist der Druckausgleich in den Ohren. Der sogenannte Valsalva-Handgriff ist in der Theorie simpel, erfordert unter Wasser jedoch das richtige Timing.

Die goldene Regel: Früh und häufig ausgleichen

Jim Donaldson betont die wichtigste Grundregel: Der Druckausgleich muss erfolgen, bevor ein unangenehmes Druckgefühl oder Schmerz entsteht. Wer wartet, bis es wehtut, wartet zu lange. Gelingt der Ausgleich nicht sofort, steigt der Tauchlehrer einen halben Meter auf und gibt dem Schüler Zeit. Tinnitus tritt extrem selten auf und ist meist vorübergehend.

Rationale Bewältigung von Ängsten

Die häufigsten Ängste von Anfängern betreffen das Ausgehen der Luft oder Panikgefühle. Bei Big Blue werden diese Sorgen gezielt abgebaut:

  • Vor jedem Tauchgang erfolgt der obligatorische Buddy-Check zur doppelten Ausrüstungskontrolle.
  • Das Atmen aus der alternativen Luftversorgung des Partners wird im Pool intensiv einstudiert.
  • Dank dieses behutsamen Vorgehens liegt die Erfolgsquote beim Open-Water-Zertifikat außerordentlich hoch.

7. Big Blue Conservation: Geplante Vorhaben und Meeresforschung

Koh Taos Unterwasserwelt steht seit Jahren im Spannungsfeld zwischen Klimawandel und Tourismus. Aus diesem Verantwortungsbewusstsein heraus bereitet die Umweltabteilung Big Blue Conservation wegweisende neue Projekte vor.

Meeresbiologen und Taucher bei der Korallenaufzucht mit Big Blue Conservation

Zukunftsprojekte in Vorbereitung und Startphase

Das Umweltengagement von Big Blue geht weit über gewöhnliche Strandsäuberungen hinaus. Das Team bereitet derzeit mehrere ambitionierte wissenschaftliche Initiativen vor, die in Kürze starten:

  • Künstliche Riffe aus 3D-gedrucktem Spezialbeton (in Vorbereitung): Entwicklung modularer Strukturen, um das Ansiedeln von Korallenlarven zu fördern und Schutzräume für Jungfische zu schaffen.
  • Monitoring von Hitzestress und Korallenbleiche (Start in Kürze): Einführung strukturierter Temperaturerfassungen zur wissenschaftlichen Analyse von thermischem Stress in den Buchten der Insel.
  • Erforschung spezialisierter Makrofauna (in Planung): Gezielte wissenschaftliche Untersuchungen seltener und hochspezialisierter Meereslebewesen an völlig unberührten, bisher nicht betauchten Plätzen rund um Koh Tao – abseits der stark frequentierten Standard-Tauchplätze.

Intakte Korallenriffe und artenreiche Unterwasserwelt rund um Koh Tao

Ein differenzierter Blick auf das Ökosystem

Rückblickend stellt Jim Donaldson fest: Zwar haben wiederholte Hitzewellen den Steinkorallen zugesetzt, doch künstliche Riffe und Unterwasserstrukturen haben neue Lebensräume geschaffen. Die Fischbestände zeigen sich bemerkenswert stabil und artenreich. Schwarzspitzen-Riffhaie, Rochen, Walhaie und Meeresschildkröten sind an Tauchplätzen wie Chumphon Pinnacle oder Sail Rock weiterhin regelmäßig anzutreffen.


8. Die Zukunft von Big Blue: Der große Neustart von Big Blue Conservation

Big Blue Diving zieht heute ein internationales Publikum im Alter von 18 bis 35 Jahren an (mit einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis von 50/50), vor allem aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Australien sowie vermehrt aus Asien.

Spektakuläres Drohnen-Panorama von Koh Tao und seinen türkisfarbenen Buchten

Für die Zukunft hat das Team eine klare Hauptpriorität gesetzt: den umfassenden Neustart von Big Blue Conservation. Die Umweltabteilung wird derzeit als gemeinnützige Non-Profit-Organisation aufgestellt, um als vollwertiges Meeresforschungszentrum zu agieren und Bildungsvisa (ED-Visa) für engagierte Naturschutz-Kandidaten und Nachwuchsforscher anzubieten.

Die Wiedereröffnung eines eigenen Strandresorts mit Zimmern und Restaurant bleibt zwar ein Herzenswunsch von Jim Donaldson, erfordert jedoch erhebliche Investitionen in einem Umfeld, in dem Strandgrundstücke auf Koh Tao extrem rar sind. Der Fokus liegt daher heute voll und ganz auf wissenschaftlicher Forschung und nachhaltiger Umweltbildung.

Unser redaktionelles Fazit

Für alle, die ihren Tauchschein in Thailand machen möchten, bietet Big Blue Diving die ideale Kombination aus höchstem Sicherheitsstandard und familiärer, professioneller Atmosphäre. Unser Einstieg als absolute Anfänger war von der ersten Poolstunde bis zum letzten Tauchgang rundum gelungen und sicher. Eine uneingeschränkte Empfehlung der SawaLife-Redaktion.